USA's Osten (1/2): Washington D.C.

Über Denkmäler und Museen

Erster Tag: Die National Mall und ein interessantes Abendessen

Ein wunderschöner Tag um meinen Washington-Aufenthalt zu beginnen. Da Sonntag war, fuhr der Bus vor meinem Hotel in Arlington nur stündlich. Man wirds kaum glauben, aber der ÖV in den Grossstädten der USA ist nicht so gut, wie man es sich als Europäer gewohnt ist. Und so ging ich die 2.2 Meilen zur Metro-Station zu Fuss. Der Spaziergang führte mich durch schöne Vorortquartiere mit sehr gepflegte Ein- und Mehrfamilienhäuser und ihren Gärten. Die Leute waren am Joggen, gingen mit ihren Hunden spazieren oder trieben sonstwie Sport. Nach ein bisschen Rätselraten zum Kaufen der 7-Tage-Fahrkarte für die Metro und einer kurzen Fahrt in derselben (die Metro fährt Sonntags im Übrigen natürlich auch nur alle 20 Minuten), befand ich mich an der National Mall. Hier wollte ich den Tag draussen an der frischen Luft verbringen. Gedenkstätten und Monumente zu ehemaligen Präsidenten, gefallenen Soldaten und vergangenen Kriegen reihen sich an diesem 3 km langen und drei Häuserblocks breiten Wahrzeichen Washingtons aneinander. An diesem Ort merkt man eindeutig: die USA sind ein kriegstreibendes/kriegsliebendes(?!!) Land...

Das Weisse Haus, das Capitol, das Supreme Court und die Library of Congress sind ebenfalls Teil der National Mall. Für den Besuch des Weissen Hauses muss man aber jeweils über die Botschaft des eigenen Landes gehen, um hineinzukommen. Ausserdem muss man sich ein halbes Jahr im Voraus anmelden, damit die Behörden Zeit haben, einen Hintergrundcheck über den Besucher zu machen. Entlang der National Mall sind ebenfalls zahlreiche Museen aufgestellt, wovon ich einige in den kommenden (leider regnerischen) Tagen besuchen werde.

Nachdem ich den ganzen Tag herumgelaufen war, war ich hungrig und so suchte ich mir einen Ort zum Abendessen. Mir wurde gesagt, dass entlang der 14th Street es zahlreiche Imbisse und Restaurants gibt. Daher begab ich mich dorthin und nach einer kurzen Suche fand ich ein Lokal, das einen coolen Eindruck machte - eine Mischung aus Bar und Restaurant mit viel dunklem Holz und stimmungsvollem Licht. Da es rappelvoll war, konnte es ja nicht allzuschlecht sein, denke ich mir noch beim Hineingehen. Der Abend in dem Restaurant sollte sich allerdings noch als sehr interessant herausstellen und meine Geduld habe ich an diesem Abend ebenfalls wieder mal unter Beweis gestellt. Ich nahm also Platz an der Bar und nach einem kurzen Blick auf die Menükarte entschied ich mich für Garganelli alla Bottagna. Ich hatte keine Ahnung, was für eine Sorte Pasta das sein sollte, doch ich wollte mich überraschen lassen, zumal die Sauce mit Spargeln und Garnelen, die dazu serviert wurde, vielversprechend klang.

Die Zeit verging, ich beobachtete die Leute im Restaurant und auf der Strasse. Etwas mehr Zeit verging, ich begann die Flaschen hinter der Bar genauer anzuschauen, ja beinahe zu zählen. Wiederum verging einige Zeit, mein Essen war immer noch nicht da... Nach ungefähr einer Stunde kam die Kellnerin und entschuldigte sich vielmals, dass es so lange dauere. Ihr sei ein Fehler unterlaufen, beteuerte sie, und mein Essen wäre in Kürze fertig. Sie wolle mir einen Drink aufs Haus spendieren. Ok, das nehme ich doch gerne an. Nach weiteren 20-30 Minuten erhielt ich dann auch mein Essen - eine Lasagna... Der aufmerksame Leser wird merken: das hatte ich nicht bestellt. Mit einem Schmunzeln im Gesicht nahm ich Gabel und Messer in die Hand und begann zu essen. Na gut, dachte ich mir, wenigstens haste was zu essen und schlecht ist sie ja nicht. Ein paar Minuten später kam die Kellnerin vorbei und erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei. Mit einem sichtlichen Grinsen im Gesicht wies ich sie auf den Fauxpas hin. Sie wäre am liebsten im Boden versunken. Sie entschuldigte abermals. Sie wisse nicht, was heute mit ihr los sei. Ich erklärte ihr, das ganze wäre nicht so schlimm, sondern eher amüsant - erst das Warten und dann das falsche Essen erhalten (könnte eine Szene aus Mr. Bean sein). Doch das ganze war ihr überhaupt nicht recht. Sie bestand darauf, dass sie das ganze wieder gut machen wolle und offerierte mir nach dem Essen noch ein Dessert (welches ebenfalls lecker war und dann auch prompt kam).

Auch wenn die Kellnerin etwas zerstreut und unorganisiert schien, so war sie sehr nett und kam auch ab und zu vorbei um ein kurzes Schwäzchen zu halten. Ich entlockte ihr noch den einen oder anderen Tipp, was man als Touri unbedingt machen sollte, bezahlte die Rechnung und gab ihr noch ein nettes Trinkgeld - wenn nicht für den Service, dann wenugstens für die Unterhaltung :-)

Anschliessend ging ich, es war schon kurz vor 11 Uhr, zu Fuss in Richtung National Mall zurück. Ich wollte unbedingt noch das Washington Monument und Old Abe (Lincoln Memorial) bei Nacht fotografieren. Kurz vor erreichen der Mall entschied ich mich, doch noch ein Taxi zu nehmen, da die Zeit etwas drängte. Um 11:45 würde nämlich mein letzter Bus zum Hotel fahren (ich erwähnte ja bereits, der ÖV hier ist nicht der beste... Nach Mitternacht ist er nicht einmal vorhanden!). Meine Sorge um die Sicherheit um diese Uhrzeit an der Mall war unbegründet. Es waren noch zahlreiche Leute unterwegs, die dieselbe Idee hatten wie ich. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Mall, schaffte ich es rennend und sichtlich ausser Atem dann noch knapp auf die Metro und den Bus in Richtung Bett.

Die folgenden Tage: Regen, Regen, Regen

Die nachfolgenden Tage waren sehr regnerisch, mit teils heftigen Regenfällen, wo man innert Sekunden bis auf die Unterwäsche durchnässt war. Der ideale Zeitpunkt also, um den zahlreichen Museen einen Besuch abzustatten. Asiatische Kunst in der Freer Gallery of Art - eindrucksvolle teils über 3000 Jahre alte Bronze Güsse, japanische Holzdrucke mit herausragender Detailtreue und Feinheit, Meisterwerke aus Jade und Elfenbein. Den Besuch im National Museum of African Art habe ich schnell beendet. Einerseits überhaupt nicht mein Geschmack und andererseits: das untenstehende Video wurde zusammen mit Fotos desselben Fotografen ausgestellt. Ich war geschockt! Aus eine spannende und interessante Weise werden im National Museum of the American Indian auf drei Etagen die indigenen Völker des nord- und südamerikanischen Kontinents vorgestellt. Einerseits wird deren Geschichte und ursprüngliche Lebensweise gezeigt, aber auch das Leben in der modernen Welt sowie das Aussterben und der Verlust der Tradition, der Rituale und des Wissens werden thematisiert. Im National Air and Space Museum findet man eine umfangreiche Ausstellung zur Luft- und Raumfahrt, zur Erkundung und Erforschung des Weltalls und zur Erkundung und Erforschung der Erde aus dem Orbit. Hier drin könnte man vermutlich mehrere Tage verbringen, wenn man alles sehen möchte. Doch die Informationsdichte ist sehr hoch, sodass man sich Zeit nehmen sollte und zwischendurch auch mal eine Pause einlegen sollte. Dafür eignet sich natürlich insbesonders das superkulinarische Museumsrestaurant - ein Massenabfertigungs-MacDonald's...

Eines Abends hab ich mich noch ins Kino geschlichen und "Captain America: The Winter Soldier" geschaut. Gute SciFi-Action Unterhaltung. Der Film spielt in Washington D.C. und an einigen der Schauplätze war ich ein paar Stunden zuvor entlanggelaufen - das war irgendwie ein witziges Gefühl.

Auf den Regen folgt die Sonne...

An meinem letzten Tag in D.C. war das Wetter zum Glück wieder schön und warm - ja sogar schwül und feucht durch die ganzen Regenfälle der vergangenen Tage. Es war soviel Regen gefallen, dass der Potomac River einen sehr hohen Wasserstand hatte und auch Äste und Müll mit sich gerissen hatte. Ausserdem waren viele Gehwege am Fluss entlang überschwemmt, Parkbanken und Mülleimer waren im oder unter Wasser ebenso wie Bäume. Enten schwammen gemütlich an sonst trockenen Stellen. Ich wollte das schöne Wetter nutzen und nochmals einen Tag draussen im Freien geniessen.

Als erstes Stand ein Besuch in Georgetown an. Das Stadtviertel hat vieles von seinem ursprünglichen Aussehen aus dem 18. und 19. Jahrhunderts behalten: bunt bemalte Türen, Häuser mit Erkern und Hauseingänge mit steilen Treppen davor. Anschliessend stand ein Spaziergang entlang dem Potomac River zurück zur National Mall an. Es waren noch einige Sehenswürdigkeiten offen, die ich noch ausgelassen hatte, da ich hierfür etwas mehr Zeit investieren wollte.

Das Jefferson Memorial, ein weisser Kuppelbau direkt am Potomac River, der schon oft als Filmkulisse gedient hat und zu Ehren des ehemaligen Präsidenten errichtet wurde.

Das Supreme Court, ein Tempel ähnlicher Bau, der die Grösse der amerikanischen Rechtsprechung und der im Gerichtssaal amtierenden Richter wiederspiegeln sollte. Darin tagt das höchste Gericht der vereinigten Staaten, welches sich aus acht Richtern (Associate Justices) und einem vorsitzenden Richter (Chief Justice) zusammensetzt. Die Richter werden auf Vorschlag des Präsidenten  auf Lebenszeit ernannt. Als höchstes Gericht wacht es über die Verfassung und verfassungskonforme Umsetzung von Gesetzen. Ausserdem wacht es über Anordnungen der Exekutive und trifft grundsätzliche Entscheidungen zu bestimmten Themen wie zum Beispiel Todesstrafe, Bürgerrechte, usw.

Der letzte Stopp auf meinem Spaziergang war die Library of Congress. Hier musste man sogar beim Rausgehen durch die Sicherheitskontrolle - da hat man wohl Angst, dass man eins der Bücher aus den doppelverglasten Vitrinen mitgehenlässt... Auf über 800 Kilometer Bücherregalen und mit über 120 Millionen Inventarstücken wird hier das Wissen der Welt aufbewahrt. Die Bücherei ist aber nicht bloss ein Museum sondern auch offen für die Öffentlichkeit. Die verschiedenen Lesesäle sind kunstvoll und prunkvoll eingerichtet. Jeder Bücherfan würde sich wünschen, in diesen Hallen einmal ein Buch lesen zu können. Allerdings wird man wohl kaum eins der antiken Bücher in die Hände kriegen. Der komplette Buchbestand wurde daher schon längst elektronisch erfasst und zugänglich gemacht.

Über Essen und Züge

Von der Union Station aus geht die Reise weiter nach Philadelphia. Zugleich ist dies auch die letzte Sehenswürdigkeit meines Washington Aufenthaltes. Der im Beaux-Arts-Stil gebaute Bahnhof sollte in den 1970er Jahre abgerissen werden. Die Stadtverwaltung hat sich dann aber dagegen entschieden und beschlossen, das Gebäude zu renovieren. Neben dem normalen Bahnbetrieb wurden über 130 Läden, ein Kino und ein Food-Court. Etwas an der Werbung/Beschreibung der Union Station finde ich interessant und irgendwie auch witzig. Nebst dem Food-Court soll es über 130 Läden geben. Beim Schlendern durch die verschiedenen Etagen habe ich aber nicht viel anderes als Restaurants, Imbissbuden oder sonstwelche Läden mit Essen gesehen. Andere Läden waren eher die Ausnahme, wie mir schien. Ich würde daher die Union Station eher ein Fresstempel als ein Einkaufspalast bezeichnen. Aber architektonisch ist der Bau sicherlich interessant.