New Zealand (2/5)

Auf nach Norden

Zum Start unseres zweiten Teils unserer Neuseeland-Reise durften wir heute etwas länger schlafen - Abfahrt aus Christchurch war erst um 8 Uhr. Erstmal gab es eine Stadtrundfahrt durch Christchurch für die Neuankömmlinge in der Gruppe. Anschliessend gings schnurstracks küstenaufwärts nach Kaikoura.

In Kaikoura angekommen, mussten wir feststellen, dass die Stadt etwas trostlos wirkt. Auch traf man nicht gerade viel Leute an. Ich hatte beschlossen, mich auf die Suche nach einer GoPro Kamera zu machen, da ich mit meiner Nikon leider ein Problem habe: sie ist etwas gross, um sie bei gewissen Aktivitäten dabei zu haben (wie z.B. beim Funyak Trip in Queenstown). Auch beim Pferdereiten wurde mir davon abgeraten, sie mitzunehmen, da sie zu schlimmen Verletzungen führen könnte, sollte ich vom Pferd fallen (was ich ja zum Glück nicht bin :-)). Da noch einige Aktivitäten anstehen, bei denen ich die Spiegelreflexkamera nicht mitnehmen kann, hab ich mich nun für die GoPro entschieden, obschon das Budget für das Kamera-Equipment für diese Reise definitiv schon aufgebraucht ist. Naja, muss ich halt ein paar Tage hungern, um das wieder wett zu machen grins. Ich hatte extremes Glück, denn in dieser absolut touristischen und maritimen Stadt gab es ein einziges Outdoor- & Sportgeschäft, welches GoPro's verkauft. Zu Beginn sagte mir die Verkäuferin, dass sie keine Kameras mehr an Lager habe, dass sie aber im Laufe der Woche, eine organisieren könne. Nachdem ich ihr geschildert hatte, dass mit einer Gruppe unterwegs sei und nur für die Nacht in der Stadt sei, hat sie ihren Chef dazugeholt. Der sagte mir, dass er seit längerem eine Black Edition (teuerstes Modell natürlich) für einen anderen Kunden reserviert habe. Wenn ich wolle, könne ich diese haben, da der Kunde sich seit längerem nicht blicken lassen habe und er genug Zeit hätte, ein weiteres Exemplar zu besorgen, erklärte er mir. Ich nahm das Angebot dankend an und hatte erst noch das Glück 10% Rabatt zu erhalten. Jiiiihaaaa… Wasser ich komme!

Nach dem Mittag geht’s aufs Boot. Einige von uns haben beschlossen, eine Whale Watching Tour zu machen. Auch wenn ich es nicht so sinnvoll und tierfreundlich finde, den wilden Tiefseetauchern so auf die Pelle zu rücken, siegt doch manchmal der Egoismus und die Neugier - insbesondere, wenn es einem so unter die Nase gerieben wird und die anderen aus der Gruppe ebenfalls gehen. Es sollte ein Erlebnis werden, das ich nicht bereue.

Das Boot ist modern und "tierfreundlich" - es besitzt keine Propeller für den Antrieb. Stattdessen wird Wasser am Bug des Schiffes eingesaugt und am Heck wieder ausgestrahlt, sodass keine (oder weniger?) Verletzungsgefahr für die Tiere im Wasser besteht. Wir tuckern also los und als wir das offene Meer erreichen, erblicken wir auch schon den ersten Pottwal (Englisch: Spermwhale). Befindet sich ein Pottwal in Küstennähe wo das Wasser weniger als 1000 Meter tief ist, hat er sich entweder verirrt oder ist tot, denn sie können nur in sehr tiefen Gewässern überleben.

Neuseeland liegt am Rande zweier Kontinentalplatten. Normalerweise geht es vom Land sanft ins Meer über und dann ebenso sanft in die Tiefen hinab. Hier ist es jedoch anders. Vom Land geht es mehr oder weniger flach ins Meer über, mit Tiefen bis zu 100 Meter. Knappe zwei bis drei Kilometer vor der Küste hat es jedoch einen Graben, der unmittelbar 1000 Meter und mehr in die Tiefen des Meeres sinkt. Die Unterwasserwelt vor der neuseeländischen Küste um Kaikoura kann man sich in etwa wie der Grand Canyon in den USA vorstellen - einfach eben unter Wasser. Aus diesem Grund haben einige Wale diese Region zu ihrer ständigen Heimat gemacht, da dieser Continental Shelf auch eine gute Nahrungsquelle bietet und gute Jagdgründe für die grossen Kolosse sind. Der Pottwal taucht zwischen 40 Minuten und einer Stunde ab (Rekord liegt bei über 3000 Meter und über zwei Stunden!!!) und kommt dann wieder an die Oberfläche, wo er dann ungefähr zehn Minuten mehr odee weniger reglos an der Oberfläche schwimmt und den Körper wieder mit Sauerstoff durchflutet. Und das ist natürlich die Zeit, wo wir alle unsere Augen weit aufmachen und das riesen Tier bestaunen.

An dieser Stelle vielleicht noch ein kurzer Abstecher zur Namensgebung. Woher hat der Pottwal (bzw. Spermwhale) seinen Namen? Für den deutschen Namen gibt’s eine kurze und prägnante Erklärung: die Form des Wals erinnert an einen Teepott. Für die englische Bezeichnung bedarf es einer etwas längeren, dafür umso interessanteren Erläuterung, wie ich finde. Zu Zeiten des Walfangs, als Wissenschaftler dem ersten Wal dieser Gattung während einer Untersuchung in den Kopf geschnitten haben, kam eine weisse zähflüssige wachsähnliche Flüssigkeit zum Vorschein. Da es sich um einen männlichen Wal handelte, haben die Forscher angenommen, dass es sich dabei um das Reproduktionsorgan handelt und ihn deshalb Spermwhale (dt. Sperma-Wal) getauft. Erst als man später einen weiblichen Wal fing und dieselbe Flüssigkeit zum Vorschein kam, hat man den Fehler bemerkt. Doch da war es schon zu spät. Tatsächlich ist es allerdings so, dass diese weisse Substanz ein raffiniertes System zum Tiefseetauchen ist. Beim Abtauchen verdichtet und erhärtet sich die Flüssigkeit, da das Wasser immer kälter wird, und erleichtert somit das Sinken. Will der Wal wieder auftauchen, wird Blut durch diesen Bereich gepumpt, wodurch die Substanz wieder verflüssigt wird und den Auftauchvorgang damit unterstützt. Wegen Beispielen wie diesen finde ich es immer wieder verblüffend, welche Techniken Mutter Natur entwickelt, um das Leben unter extremsten Bedingungen zu ermöglichen.

Nachdem der Wal auf Tauchgang ging, fahren wir wieder näher an die Küste ran, wo wir auf einem Felsen eine Seehund-Kolonie vorfinden. Unser Boot scheint sie nicht zu beeindrucken und so liegen sie faul in der Nachmittagssonne. Vereinzelt müht sich ein Seehund den Felsen hinauf und scheucht dabei die Möven auf, die ebenfalls auf dem Felsen auf ihre nächste Fressgelegenheit warten.

Anschliessend fahren wir wieder zur Stelle zurück, wo Tiaki - so heisst der Wal, den wir zuvor schon gesehen hatten - zuvor abgetaucht war und wo er in den nächsten Minuten in der Nähe auftauchen sollte. Und tatsächlich dauerte es nur ungefähr zehn Minuten bis er mit einem lauten Zischen wieder auftauchte. Diesmal habe ich meiner Kamera etwas Ruhe gegönnt und die Anwesenheit dieses grossen Säugetiers genossen.

Irgendwann beschloss Tiaki wieder auf Tauchgang zu gehen und unser Skipper machte sich auf den Rückweg zum Hafen. Unterwegs wurden wir aber noch von einem grossen Rudel Schwarzdelfinen (engl. Dusky Dolphins) überrascht, welche in der Küste um Kaikoura beheimatet sind. Die Akrobaten zeigten sich heute von ihrer spielerischen Seite. Leider war das Schauspiel viel zu schnell zu Ende bzw. unser Skipper musste zurück fahren, da unsere Zeit für die Tour zu Ende war und er neue Passagiere erwartete. Doch die Delfine waren ein krönender Abschluss für diese Bootsfahrt.

Sue erwartete uns bereits auf dem Parkplatz und wir fuhren direkt in den Supermarkt, um Lebensmittel für die nächsten Tage einzukaufen. Anschliessend haben wir in der Unterkunft eingecheckt und 15 Minuten später sollten Graham und ich schon wieder beim Bus sein, da sie uns noch eine kleine Abendwanderung um die Kaikoura Peninsula (Kaikoura Halbinsel) nahegelegt hatte, für welche wir am nächsten Tag keine Zeit haben würden. Louise, Grahams Frau, schloss sich uns ebenfalls an. Ich mag die beiden sehr. Sie sind zwei liebenswerte und sehr offene Menschen, mit denen das Reisen Spass macht.

Wir fahren also los und schon nach wenigen Kilometer kommen wir in der South Bay an (von hier aus waren wir am Nachmittag auch auf unsere Bootstour gestartet), wo die Sonne die Landschaft inzwischen in eine stimmungsvolle Atmosphäre getaucht hat. Mein Fotografenherz hat hier natürlich sofort höher geschlagen :-) Wir haben diesen Abendspaziergang und das Panorama sichtlich genossen.

Am Ende des Spaziergangs hatten wir noch das Vergnügen, drei Seehunde direkt am Wegrand anzutreffen. Einige Touristen wissen offenbar nicht, dass es sich dabei nach wie vor um wilde Tiere handelt - auch wenn sie noch so niedlich sind! Sie rücken den armen Tieren redlich auf die Pelle und respektieren nicht, dass man Abstand halten sollte, worauf die Seehunde gemächlich in Richtung Meer "flüchten".

Nach einem gemütlichen Seafood Dinner geht ein ereignisreicher Tag zu Ende. Morgen steht allerdings bereits wieder ein aufregender Tag mit den Schwarzdelfinen aus nächster Nähe an. Vielleicht folgt dazu auch ein Beitrag... ;-)